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Gedichte

poetische Impressionen von Edith Schwenzfeier

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  Die Ilz

  Kleinod Ilz

Ballade von der Ilz-Jungfrau

 

Nachdem der Tag hat sich geneigt,

die Sonne sich gen Westen zeigt,

so kurz vor ihrem Untergang,

hör' ich der Abendglocken Klang.

Ich weiß, mein Herz, es braucht jetzt Ruh,

so wend' ich mich der Ilz dann zu,

verweile an des Flusses Rand,

und schaue hin zum Uferstrand.

 

Die Bank, die zum Verweilen lädt,

mein Aug', es hat sie schon erspäht.

Hier mach ich nach des Tages Hast

oft eine wohlverdiente Rast,

träume entspannt so vor mich hin,

denk' nach über des Lebens Sinn.

Und wenn die Sonne untergeht,

mein Schritt sich wieder heimwärts dreht.

 

Einmal, da verweilt ich noch,

und sah den Mond, wie er aufkroch.

Immer größer wurd' er überm Wald,

mir war, al ob's von drüben schallt;

mein Ohr, es hörte angestrengt,

da war ein Kahn, der wurd' gelenkt

von einer schönen weißen Frau,

die die Paddeln schlug ganz genau

in meine Richtung hin zur Bank.

Die Frau war wunderschön und schlank!

 

Ihr Körper war umhüllt vom Kleid,

das wie ein Schleier weit und breit

so weiß wie Schnee im Kahn dort lag.

Ich war nicht mächtig einer Frag'.

Mein Herz es schlug zum Hals hinaus,

die Stimm' bracht keinen Laut heraus.

 

Doch plötzlich sage sie zu mir:

"Ich will was anvertrauen dir.

Du bist ein Mensch, den gern ich mag,

verzeih, wenn ich nicht komm bei Tag;

nur, wenn der Mond am Himmel steht,

sein Antlitz er zur Ilz hindreht,

dann kommt für mich die Zeit heran,

wo ich mit Menschen sprechen kann,

ja zu den Menschen sprechen muss,

weil es geht um die Ilz, den Fluss.

 

Den hat der Mensch total beraubt,

das Gold, die Perlen raugeklaubt,

nur um reich zu werden damit.

Sein Gedanke war: nur Profit!

Das stimmt so traurig mich fürwahr,

so komm' ich einmal jedes Jahr

hinauf in eure schöne Welt,

am Abend, den der Mond aufhellt.

 

Ich suche mir den Menschen dann,

dem ich mein Leid jetzt klagen kann.

In meinem Reich find ich nicht Ruh,

weil ihr Menschen immerzu

hier meinen Lebensraum zerstört,

obwohl ihr oft es anders schwört;

drum bitte ich jetzt generell:

sprich du mit ihnen auf der Stell',

damit alle auch begreifen,

jetzt, und nicht in spät'ren Zeiten

muss etwas mit der Ilz geschehen

nicht alles soll verloren gehen.

 

Den Rest der Perlen und dem Gold,

den hab ich nach unten geholt.

Dort lagert es und wartet drauf,

dass es bei bess'rem Flussverlauf

von mir nach oben wird geschwemmt.

Den Wunsch erfüll ich ungehemmt,

wenn auch ich verstanden werde.

Solang' komm ich zur Erde,

immer hier an diese Stelle,

wo ich die Entscheidung fälle,

ob Gold, Perlen ich bring zurück,

die euch bedeuten soviel Glück."

 

Sprach's und ist verschwunden im Nu.

Ich kam noch nicht einmal dazu,

zu fragen nach dem Wiedersehn.

Für mich war alles wunderschön.

Die Stelle aber niemand weiß.

Und ich, ich geb' sie niemals preis.

 

Oft ist mir in mondheller Nacht,

als ob ein Kahn gleitet ganz sacht

ruhig übers Wasser dahin.

Frag' mich: Sitzt auch die Jungfrau drin?

Ob sie noch immer traurig ist,

weil man Versprochenes vergisst?

Ein gut gemeinter Rat zuletzt,

der oft von uns wird unterschätzt:

Mensch, nimm nie, was dir nicht gehört,

da's nur Unheil heraufbeschwört.